Historie

Das Restaurant "Taverne Athos" in Fritzlar befindet sich an der nordwestlichen Ecke des Marktplatzes in einem zweischiffigen Gewölbekeller aus dem 14. Jahrhundert, einer Zeit der wirtschaftlichen Blüte der Stadt. Vielleicht bildete das Grundstück sogar einen Teil des Wirtschaftshofes der Prämonstratensermönche aus Spießkappel. Ob darüber ursprünglich ein steinernes Gebäude oder eines der typischen großen Fachwerkhäuser des Spätmittelalters stand, ist noch nicht erforscht.

Im 30jährigen Krieg wurde es offenbar zerstört und in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aus übriggebliebenem Trümmerholz wieder neu und ähnlich umfangreich errichtet, wie man an den geschnitzten Verzierungen sieht. Daher ist der Kellergrundriss z. T. größer und verläuft nicht in der gleichen Flucht wie der Oberbau. Zum Grundstück scheint stets ein Hofgelände mit kleineren Bauten gehört zu haben.

Ob es tatsächlich einmal, so eine Erzählung der ehemaligen Bewohner, im Bereich der alten Kellertreppe einen schulterhohen Geheimgang gab, kann man nach den heutigen Umbauten nur noch schwer überprüfen. Spätere Umbauten und Renovierungen hinterließen ein großes Treppenhaus, das mit Verzierungen ausgemalt war.

Im 20. Jahrhundert wohnte zunächst eine jüdische Familie in dem Haus. Als sie in den 1930er Jahren emigrieren musste, übernahm ein Getränkegroßhändler die Liegenschaft. Nach dem 2. Weltkrieg zog die Bäckerfamilie Triebfürst ein, die bis in die 1970er Jahre tätig war. Der Laden befand sich im Haus, die Backstube im Nebengebäude (heute durch einen Neubau ersetzt). Der Keller wurde nur zur Lagerung von Kartoffeln, Kohlen u. ä. benutzt. Leider war die Bausubstanz wegen der schlechten Holzqualität (s. o.) auf der Straßenseite sehr schlecht. So wurde das Gebäude verkauft und die Vorderfront vom neuen Besitzer renoviert. Seit dieser Zeit wird auch der Keller als Gaststätte genutzt.

Von Dr. phil. Johann-Henrich Schotten

2016 Taverne Athos